Die Zeit verging wie bei jedem von uns im Leben. tägliches Allerlei wird abgelöst von Highlight Momenten, Überraschungen, Unvorhergesehenes. Normalerweise plätschert fast jeder Tag so dahin wie der Tag zuvor.
Holzkatze hatte sich schon lange im „Gefährlichen Hai“ eingewöhnt und gehörte genauso wie Bader zum lebenden Inventar.
Dazu gehörten auch die Mäuse, denn Bader fand, trotz Katze, immer noch verdächtige Mäuseködel, und auch die Klaviere gehörten zum Inventar.
Eines Nachts im Hafen fühlte sich Holzkatze nicht wohl in ihrer Haut. „Ratten“ schoss ihr in den Kopf, dieses üble Volk hatte sie beinahe schon vergessen.
Sie erinnerte sich an eine Nacht, als sie nicht bemerkt hatte, wie eine Ratte ihr heimlich beim Flöten zugehört hatte. Plötzlich stand sie vor ihr, die Pfoten in die Hüften gestemmt und dann beugte sie sich vor und lispelte ihr wichtigtuerisch und mit mit breitem Akzent ins Ohr:
„Leider verstehe ich etwas von Musik. Katze. Hör auf den Rat eines Experten, Katze. Zum Flöten hast du absolut kein Talent!“.
Holzkatze lauschte. Es kribbelte ihr im Rücken. Sie sah sich um.
„Hallo!“ erklang da ein Stimmchen in der Dunkelheit freundlich. „Ich hör dir nur zu, spiel ruhig weiter!“ Im Schatten der großen Lampe hockte jemand und hatte – glücklicherweise – keine Ähnlichkeit mit einer Ratte.
„Ich bin Goldkatze“ stellte sich die heimliche Zuhörerin vor, als sie an den Poller trat.
Holzkatze richtete sich auf und staunte. Der Gast war eine Katze wie sie, aber das Fell glänzte im Licht der Lampe wie pures Gold. Goldkatze trug ein mit bunten, leuchtenden Steinen verziertes Halsband, dazu ein buntes Seidentuch. An ihren Ohren hingen goldene Kreolen. Aus lieben Augen schaute Goldkatze Holzkatze an.
Holzkatze musste plötzlich lachen. „Na, so etwas. Ich hatte schon beinahe Angst bekommen, dass mich eine Hafenratte belauert“. „Hafenratte?“ fragte Goldkatze ungläubig.
„Ja, wo kommst du denn her, dass du diese Gangster nicht kennst?“ wollte Holzkatze nun ungeduldig wissen.
„Heute habe ich einen Ausflug gemacht“ log Goldkatze. „Ich wohne nicht hier,“ fügte sie hinzu und das war die Wahrheit.
Wasser klatschte gegen die Dalben und an die Betonwand und spritzte den Katzen bis vor die Füße. Ein riesiges Passagierschiff, hell beleuchtet von Bug bis Heck, mit tösendem Lärm, der vom Oberdeck herüberschwoll , schob sich aus dem Hafen. Das Schiff war so groß, dass Goldkatze sich näher an Holzkatze drückte.
„Ich gehe jetzt“, sagte Holzkatze, „nett, dich getroffen zu haben“, und sie schob Goldkatze beiseite.
Goldkatzes Augen weiteten sich. „Ich weiß nicht, was ich tun soll, wenn du weg bist“ ängstigte sie sich, „… die Ratten“.
„Hier sind jetzt keine Ratten“ beschwichtigte Holzkatze, „wieso, geh doch nach Hause!“ schlug sie Goldkatze mit strengem Ton vor.
Holzkatze verabschiedete sich nicht von ihrer neuen Bekanntschaft, sondern nahm ihre Flöte, sprang vom Poller und huschte aus dem Licht der Laterne in die Dunkelheit.
Nicht, dass sie unhöflich wäre, aber es zog sie jetzt zurück in den “Gefährlichen Hai“; sie redete nicht gerne viel und sie hatte auch noch nie mit einer fremden Katze so lange geplaudert.

