Mittwoch, 27. April 2011

14. die Flöte

In der Nacht, als Holzkatze unter dem Kran
die zerbrochene Holzkiste mit diesem
komischen Holzstock fand, kehrte sie
noch nicht in den „Gefährlichen Hai“
zurück, sondern trug ihren
Fund zum Containerhafen.

Sie war sich sicher, dass die Ratten sie nicht
beobachtet hatten. So lief sie mit dem
Holzstück die Pier entlang bis zur
Mole am Hafeneingang.

Hier hatte sie hoffentlich Ruhe. Über dem Poller leuchtete
die ganze Nacht eine große Laterne. Von diesem Platz
aus konnte Holzkatze alle vorbeifahrenden Schiffe beobachten.
Wenn die Schiffe die Mole passierten, klatschte das Hafenwasser
an die Betonwand der Mole und die kleinen Wellen hüpften gegen die
kräftigen Holzdalben, die im Grund des Hafens fest eingebracht
waren. Holzkatze fand das lustig.

Sie nahm ihren Stock in ihre Pfoten und betrachtete diesen genauer. Dabei kniff sie ihre Augen zu, um in Ruhe nachzudenken, denn so etwas wie diesen merkwürdigen Stock hatte sie noch nie gesehen. Dann riss sie ihre Augen ganz weit auf und schob ihren Kopf vor.

„Nanu, dieser Stock ist voller Löcher. Ob er Holzwürmer hat?“ Holzkatze  klopfte mit der Pfote kräftig auf den Stock. Sie zählte die Löcher und entdeckte dabei, dass der Stock sogar innen hohl war, aber die Holzwürmer mussten sich gut versteckt halten; Holzkatze entdeckte jedenfalls keine.

Holzkatze fühlte ihren leeren Magen. Sie hatte an diesem Abend vor Aufregung vergessen, den Schiffen im Fischereihafen einen Besuch abzustatten. Ihr hohler Bauch knurrte. „Dann fresse ich eben diesen Stock“, dachte sie und freute sich über ihre gute Idee.

Aber als sie mit ihren scharfen Zähnen in den Stock biss, musste sie husten. Und da sie den Stock in der Schnauze hielt und der Husten andauerte, hörte Holzkatze bei jedem Husten einen Pfeifton. „Hilfe, ich hab Asthma“. Bei diesem Gedanken wurde ihr ganz übel.

Wir können uns mit Holzkatze beruhigen, an Asthma litt sie nicht.
Holzkatze fand in dieser Nacht heraus, dass der kleine löchrige Stock eine richtige Holzflöte war.

Jede Nacht verbrachte Holzkatze nun auf dem Poller und lernte tatsächlich auf dieser Flöte richtig zu spielen. Sie entdeckte, dass, wenn sie mit ihren Pfoten geschickt die kleinen Löcher jedes Mal anders  bedeckte, die Töne sich veränderten, aber nur wenn sie die Pfeife dabei in den Mund steckte und pustete.  Das, was sich wie Asthma und Niesanfälle anhörte, verschwand; Holzkatze wurde allmählich immer geschickter, sie lernte die Luft geschickt zu führen, der Ton wurde geschmeidig und bald virtuos.