Mittwoch, 20. April 2011

7. Mäuseplage im Klaviersaal





Außer dem alten Bader, vor dem Holzkatze sich gut versteckt hielt, weil er, wie sie glaubte, sie bei Entdeckung sonst rausgeschmissen hätte, war anscheinend sonst niemand   ins  große Haus gezogen.







Na ja, die vielen alten Klaviere, die am Einzugstag ins Haus getragen wurden,  zählten ja nicht



 und auch nicht die alte Standuhr,




die gleich an der Wand hinter den großen breiten Saaltüren abgestellt wurde, obwohl, so jedenfalls war die Meinung Holzkatzes, die Klaviere und die Standuhr manchmal ein wenig wie Menschen stöhnten. Quatsch, dachte Holzkatze dann, wenn ihr dieser Gedanke in den Kopf kam, die sind aus Holz und altes Holz knarrt, das ist kein Gestöhne!

Abends, spät abends verzog  sich Baders immer unters Dach, in seine Schlafkammer, aus der Holzkatze das Kissen stiebitzt hatte. Allerdings schob sich der alte Bader nicht eher die Treppenstufen ins Dachgeschoß hinauf, bis er  er vorne in der ehemaligen Wirtsstube unter den alten Fischernetzen und in der Gesellschaft des ausgestopften Hais einen Becher mit Rum getrunken hatte, was ihm die nötige Bettschwere besorgte. Erst dann schleppte er sich nach oben.
Und immer erst als  die letzte Treppenstufe unter dem Gewicht Baders geknarrt hatte, verließ Holzkatze nachts durch eine Öffnung im Saal ihre neue Unterkunft. 

Am ersten Abend ihres Aufenthalts im "Gefählichen Hai" trieb Holzkatze sich im Hafen herum und noch im Dunkeln, das Licht der Sonne dachte noch lange nicht daran, hervorzuschauen,  kehrte Holzkatze mit ihrem neuen Fund aus der Kiste von ihrer nächtlichen Streiftour im Hafen  zurück. „Hurra“, dachte Holzkatze, in dieser Nacht, „Der Saal gehört mir!“

Sie sprang auf die Bühne, zwängte sich unter den Bühnenvorhang durch und lief  an dem abgewetzten Sofa schnurzgerade zum  alten, verschrammten Theaterflügel, den sie am Nachmittag auf der Bühne entdeckt hatte.

Er war allerdings  verdeckt von vielen anderen alten Theaterrequisiten und dem schweren  Bühnenvorhang, der immer noch trotz der vielen Jahre, die er auf dem Buckel hatte, keine Löcher enthielt, wo man hindurchgucken konnte.   

Holzkatze sprang hoch, krallte sich ins Holz und verpasste dem alten Schinken mit ihren Krallen noch ein paar weitere Schrammen, zog sich in das Innere des Flügels hinein. legte das Stück Holz neben sich ab und flegelte   sich auf ihr Kissen, um den Rest  ihrer Nachruhe hier zu genießen. 


Holzkatze beschloss, bei Bader vorerst heimlich zu wohnen, sie  musste, so dachte sie,  vorerst also nicht befürchten, dass man sie hier fand und vertrieb. Der alte Bader hat jetzt wohl genug Arbeit mit dem Einräumen und taucht hier nicht auf, so dachte sie in der ersten Nacht,  und gleich war Holzkatze über ihren Gedanken erfreut und fand ihn praktisch.  Dann schließ sie zufrieden  ein.

Für den Flügel,  diesen morschen Schinken hätte sich wirklich  kein Musikfreund mehr interessiert, weil er so zerschlissen  war.  Der Flügel musste sich mit seinem ungewissen Schicksal abfinden, er stand dort unter den Requisiten und war heilfroh,   dass man ihn hier in Ruhe ließ und noch keine Axt bislang  auf ihn einhub, damit er als Feuerholz in einem Kamin landete. Zu seinem Leidwesen musste er von nun an die Beherbergung einer Katze dulden, die ihm  mit ihren Krallen zusätzliche Kratzer verpasste.

„Pfft“ pfiff es laut durch den Saal.  Holzkatze schreckte hoch. Sie  horchte. „Du meine Güte! Mäuse! Die haben mir gerade noch gefehlt!“

Die kleinen Nager krochen aus ihren Löchern, huschten über die Klaviere, tanzten auf den Tasten und spielten im Saal Fangen. „Tick, du bist“ piepste es hier und „Fang mich, fang mich doch!“ fiepste es dort.

Schon wollte Holzkatze den Mäusen nachsetzen und auf leisen Pfoten aus dem Flügel krabbeln, da fiel ihr der alte Bader ein und dachte „ Spring ich hinter diesen nervigen Plagegeistern hinterher und erteile ihnen eine Lektion? Hmm, es ist besser, ich ertrage diese Nager. Jage ich  sie, dann wird es laut und Bader kommt womöglich und ich bin draußen.“ Holzkatze verkroch sich wieder im Flügel.

Als es schon dämmerte schreckte sie hoch. Die Mäuse trieben immer noch ihren  Unfug im Saal. „Pfft“ hörte sie es laut durch den Saal pfeifen. Sie horchte. Was für eine Plage!

(Siehe auch weitere Blogs MP3 for you)