Hier im festlichen Saal war jede Nacht sozusagen der Bär los.
Im Gegensatz zum schummrigen Gastraum im vorderen Teil des Gebäudes, war dieser Saal richtig prunkvoll ausgestattet. Von der hohen Decke mit wunderschönem Stuck hingen die schönsten Kristalllüstern, die man sich vorstellen konnte. Eigentlich zu kostbar für diese Gegend.
Die Decke des großen Saals wurde durch kunstvoll marmorierte Holzsäulen gestützt. In den seitlichen Logen standen runde, massive, mit herrlichen Holzschnitzereien versehene Tische und die gepolsterten Stühle drum herum waren bezogen mit edlem, goldglänzendem Samt.
Die Decke des großen Saals wurde durch kunstvoll marmorierte Holzsäulen gestützt. In den seitlichen Logen standen runde, massive, mit herrlichen Holzschnitzereien versehene Tische und die gepolsterten Stühle drum herum waren bezogen mit edlem, goldglänzendem Samt.
Im hinteren Teil des Saal erreichte man über seitliche Treppen eine Empore, die ebenfalls über einige Logen verfügte, die für besondere Gäste reserviert werden konnten.
Die schweren dunkelroten Samtvorhänge boten der großen Bühne einen edlen Rahmen. Fanden Galas und Festbankette statt, öffneten sich diese Vorhänge zu Beginn der Vorstellung, jeweils nach einem Tusch der Musikkapelle.
Die schweren dunkelroten Samtvorhänge boten der großen Bühne einen edlen Rahmen. Fanden Galas und Festbankette statt, öffneten sich diese Vorhänge zu Beginn der Vorstellung, jeweils nach einem Tusch der Musikkapelle.
Von nah und fern strömten jeden Abend die vornehm gekleideten Gäste zum Theatersaal des „Gefährlichen Hais“.
Es kamen viele feine Herren aus der Stadt und vom Lande, teils in Gesellschaft ihrer Ehefrauen oder allein, und in ihren Augen glänzte bereits ihr Hunger nach Tanz und Gesang.
Die Musiker der Kapelle spielten dazu viele bekannte Weisen aus Operette und Gassenhauern. Ein Damenchor sang lustige Lieder und die Balletteusen tanzten immerzu.
Die Herren tranken viel und rauchten, während die Damen an ihren Likörgläschen vornehm nippten. Ein plötzlich über die Bühne stolpernder Clown machte Witze und verhedderte sich zum Vergnügen aller über einen mitgebrachten Eimer mit Wasser.
Ein Zauberer, der im Laufe des Abends durch den Saal von Gast zu Gast mehr als beiläufig schlenderte, befreite die von den Herren mitgebrachten Ehefrauen oder Begleiterinnen vom Schmuck. Doch der Diebstahl wurde unter Lachen der am Tisch sitzenden Gäste immer schnell aufgeklärt und der Schmuck und die Uhren galant zurückgereicht.
Ein Höhepunkt dieser Abende waren Akrobaten, die die Sinne des Publikums mit Seiltänzen schwindelig werden ließen.
Dann und wann, man möchte meinen, verirrten sich in den großen Saal sogar italienische Startenöre, allerorts bekannte Klavierakrobaten oder Teufelsgeiger, die sich auf ihrer Welttournee in diese Stadt durch die Planungen ihrer Agenten verirrten und gaben just in diesem, für eine bedeutende Karriere doch eher unbedeutenden Saal, der aber überraschenderweise über eine exzellente Akustik verfügte, Sondervorstellungen.
Zu manch später Stunde, zum Ausklang der Abende, erschienen die hübschen Tänzerinnen an den Tischen und die inzwischen sehr ausgelassenen Herren, wagten unter manch missmutigem Blick ihrer Gemahlinnen, mit den schönen Tänzerinnen zu scherzen. So geschah es, dass die Tänzerinnen – selbst zu so später Stunde ein wenig zu übermütig geworden, weil besonders ausgelassen gefeiert wurde - auf dem einen oder anderen der Tische tanzten.
Kurz und knapp, „Der gefährliche Hai“ bot für jedermann gute Unterhaltung und Zeitvertreib.
Eines Tages jedoch wurde der „Gefährliche Hai“ von den Ordnungsbehörden der Stadt geschlossen. Es wurde gemunkelt, dass die Schließung durch die Behörden wohl damit begründet wurde, dass in den vergangenen Jahren in einem Hinterzimmer des Gebäudes düstere Gesellen ihre Zeit mit Glücksspielen verbracht hätten. Und – weil das zu jener Zeit in der Stadt verboten war, so berichtete der „Hafencourier“, flog der Laden eines Tages auf.
Zum Amusement aller Gäste schwangen Balletteusen in bunten Trikots und Federhüten auf dem Kopfe die Beine hoch und höher.
