Donnerstag, 14. April 2011

Holzkatze und Goldkatze - Der Gefährliche Hai - Zweite Gechichte


Holzkatze und Goldkatze (Marin V.)
Der Gefährliche Hai - Zweite Geschichte

Das Ziel des Umzugswagens .....

schien das gegenüberliegende Gebäude zu sein. Der Fahrer und zwei weitere  Männer sprangen aus dem Führerhaus. Ein Kopf erschien aus der Tür des Gebäudes und dann der Mann dazu, groß war er und leicht gebeugt.  Er ging auf die Bulldogge zu, begrüßte ihn, kehrte zum Gebäude zurück und

öffnete beide Flügel  des Eingangstores, stellte sie weit  auf. Die beiden Gestalten, die eben noch im Führerhaus saßen, hatten die  Türen des Laderaums schon geöffnet und darunter eine Rampe angebracht.

Die Männer schoben mit einem Hauruck ein Klavier aus dem Wagen, huben  es auf einen kleinen  Wagen und rollten es in  das Gebäude hinein.

Dieses Gebäude hieß früher einmal „Der Gefährliche Hai“. Es handelte sich um ein großes Haus mit Gastraum für allerlei köstliche Speisen und Getränke, und einem gut besuchten Theatersaal im hinteren Teil des Gebäudes. 

In diesen früheren Zeiten, die schon lange zurückliegen,  wurde der Gastraum des „Gefährlichen Hais“ von Matrosen aus aller Herren Länder aufgesucht,  die mit ihren Schiffen in den Hafen gekommen waren, um dort ein wenig kurzweilige Abwechslung von den vielen, vielen ach so langweiligen Tagen auf hoher See zu finden.

Es hieß, hier würde das schmackhafteste Bier weit und breit ausgeschenkt und außerdem, was vielleicht eher der Grund war, weshalb die Matrosen in den "Gefährlichen Hai" in Scharen einkehrten,  befand sich  sich gleich am Rande des  Hafens, so dass es leicht zu erreichen war, und ebenso der Rückweg zu den Schiffen für die manchmal vom Bier angeheiterten Matrosen ohne weitere Gefahren nicht zu lang war. 

Der dunkle Gastraum war urgemütlich. Die Decke war mit Fischernetzen dekoriert, in denen große Muscheln hingen und  von der Mitte der Decke drohte ein ausgestopfter Hai gefährlich mit seinen scharfen Zähnen herab. Ankerlaternen an den Wänden erleuchteten den Gastraum zwar nur spärlich, aber die Gäste mochten diesen Raum und allein darauf kam es an.

An der  zur Theke rückwärtigen Wand, die mit Spiegelkacheln verkleidet war, was dem eigentlich eher kleinem Gastraum im Verhältnis zur Besucherzahl wiederum Größe verleihte,  waren auf breiten Holzregalen unzählige Gläser  und sehr viele Flaschen mit Whisky, Rum, Kognak, Gin, und noch mehr dieser alkoholischen Getränke aufgereiht. Der Boden des Gastraumes war mit schweren Holzdielen ausgelegt.  Im Gastraum verteilt standen massive Holztische umsäumt von ebenso schweren massiven Holzstühlen.  An den umliegenden Wänden waren Bänke angebracht, wo so manche Gäste abends für einen weiteren Besucher zusammenrücken mussten.

Der Laden war abends bis spät in die Nacht proppevoll. Vor der hufeisenförmigen Theke standen viele Barhocker, die so gut wie alle besetzt waren und dahinter gab es mehrere Zapfhähne, aus denen das Bier floss und von fleißigen Händen in die Gläser gefüllt wurden.  Es wurde so viel und gut getrunken, dass die Bedienung den langen Abend im Dauerlauf verbrachte. Der Wirt genoss die Stimmung und das gute Geld, was ihm dieses Geschäft einbrachte.

Hinterm Gastraum gab es eine große, bis unter die Decke geflieste  Küche, von der aus man auf  den großen, gepflasterten Hof sah, der von einem hohen Lattenzaun umsäumt war.   Dort lagerten unter einem Dach die leeren Bierfässer. Eine hohe zweiflügelige hohe schmiedeeiserne Pforte schloss den Hof ab. 

Wollte man die Toiletten aufsuchen,  die im hinteren Trakt des Gebäudes untergebracht waren,  ging man  im Gastraum durch eine seitliche Tür und gelangte auf  einen  langen, um mehrere Ecken führenden Gang. Dieser Gang führte in ein größeres Foyer, wo sich eine große Garderobe befand und von dort sah man die breiten Türen zu dem großen Saal.  Dieser Saal war vornehm und groß genug, um viele, viele Besucher zu beherbergen.

Die Gäste der amüsanten und manchmal auch sogar sehr eleganten Abendveranstaltungen mussten sich nicht durch die verrauchte Gaststube und den verzeigten Gang in den Saal quälen, nein, sie  gelangten über den eigentlichen Haupteingang des Foyers, der festlich  beleuchtet war,  in den Saal.............

Holzkatze und Goldkatze - Erste Geschichte - Holzkatze

Holzkatze und Goldkatze   (Marin V.)

Erste Geschichte
 
Holzkatze
 

Kracks! Rumms!

Holzkatze hielt sich die Ohren zu.
 
Der Arm des Krans schwenkte aufs Schiffsdeck zurück, ruderte  unsicher in der Luft, wackelte ein letztes Mal und hielt  inne.
Das Licht im Führerhaus erlosch.

„Hm, … komisch, die Leute auf der Pier gehen weg und auch auf dem Schiff ist niemand mehr zu sehen“.
Holzkatze fühlte sich in diesem Moment   allein.
 
Diese Stille.

Holzkatzes  Blick fiel auf die Pier.
 
Da lag  etwas neben dem Kran! Ziemlich groß. War es eine Kiste?  

Neugierig schaute Holzkatze vom Dach des Schuppens. Holzkatze sprang.
 
“Uah”.   Die Landung auf der Rampe war nicht sanft.   Holzkatze  streckte ihre Glieder.
 
Sie huschte  über eine Treppe   schnurstracks zur Kiste.
 
Ein halbes Brett fehlte an der Seite und lag jetzt auf dem Pier. Durch die Öffnung, die dadurch entstanden war,  konnte auch Holzkatze, obwohl sie eine Meisterin im Schlankmachen war, nicht   in  die Kiste hineinschlüpfen. 

Holzkatze richtete sich auf, reckte die Vorderbeine hoch, drückte ihre Krallen in das Holz und zog sich an der Kiste hoch, rollte dann geschickt über die Kante und saß endlich oben auf der Kiste.
 
In der Mitte war der Deckel eingedrückt.    Holzkatze sah hinein. Die Kiste war leer!

Holzkatze schnupperte gespannt. „Holzwolle!“  „Wahrscheinlich ein Mäusenest ohne Inhalt!“. Aber diesen  Gedanken verwarf Holzkatze wieder.
 
Wieso wurden ausgerechnet Mäuse in dieser Kiste transportiert ? Noch dazu auf einem Schiff!  Eine Passage in einer Kiste  ist für Mäuse gar nicht erschwinglich. Und Mäuse gibt es doch überall!

Selbst im Keller bei Gundel und Stefanie gab es diese lästigen Nager.
 
Holzkatze hatte    in diesem Moment  wieder den grauslichen Anblick der toten Maus vor Augen.

Als sie wieder einmal einen Exkurs in den Keller machte,  sah sie       auf einem Regal in Gundels Vorratskeller eine Maus in einer Mausefalle hocken. Ganz starr. Denn sie war tot.

Holzkatze hatte diese Maus  in Gundels Keller auf einem Regal zwischen Gläsern mit Gundels selbst gekochter Erdbeermarmelade   hin- und herflitzen gesehen. Aber da war sie noch lebendig und versuchte mit zweifelhaftem Erfolg, an ein Stück Speck, das von der Decke hing, zu gelangen.
 
Nun glotzte diese Maus - eingequetscht von der zugeklappten Falle -  Holzkatze irgendwie vorwurfsvoll an.

Die vielen Kellerasseln auf dem glitschigen Steinboden, die sich unter den Tonkruken versteckt hatten, gaben Holzkatze an diesem Tag den Rest. Seitdem suchte Holzkatze den Keller nie wieder auf.
 
Holzkatze bildete eine Ausnahme. Sie stand nicht aufs nächtliche Mäusefangen.

Holzkatze versuchte nun vorsichtig an den eingedrückten Brettern der Kiste herunterzuklettern, um den Inhalt der Kiste richtig inspizieren zu können. Geschickt hangelte sie  sich  an den scharfkantigen Holzsplittern vorbei.

 Plötzlich  rutschte sie über ein öliges Brett zur Mitte, fiel in die Kiste hinein und landete auf der Holzwolle. Autsch! Was war das? Irgendetwas Hartes auf dem Boden der Kiste machte die Holzwolle nicht gerade bequem. Holzkatze zerrte die  Holzwolle hin und her, konnte aber nichts entdecken.
 
„Gar nicht so übel. Könnte auch für mich ein bequemes Kissen abgeben. Eigentlich fehlt mir ein richtiges Bett, wo ich mich hineinkuscheln kann.“

Holzkatze kratzte mit ihren scharfen Krallen die Holzwolle beiseite und zog  einen Holzknüppel hervor. Sie betrachtete ihren Fund.
 
„Komisches Ding", dachte Holzkatze, "Ein  Stock!". Ha, damit würde ich gerne der Stefanie einen überziehen – diese Schlimme!“.

  Holzkatze schlug  auf das Holz der Kiste. Doch dann hielt sie inne. Sie erkannte, wie fein der Stock aussah. 

Die  Gelegenheit, Stefanie mit dem Stock zu schlagen, hatte Holzkatze jetzt nicht mehr. Sie  war vor einiger Zeit  der garstigen Stefanie und deren hartherzigen Mutter Gundel fortgelaufen.
  
Das Mädchen lockte Holzkatze immer mit sanftem Gurren herbei und hielt ihr Leckerbissen vor die Katzennase. 

Immer wenn Holzkatze sich ihr näherte, um die schmackhaften Bissen entgegenzunehmen, packte  Stefanie die Katze,  hob sie im Nacken hoch und riss an ihren Ohren. Dabei lachte sie und flötete sanft: „Ei, du liebes Kätzchen“.

Holzkatze fürchtete sich bald  vor Stefanies  Gemeinheiten. Mit großer Vorsicht  beobachtete sie das Mädchen. Doch Stefanie gelang es immer wieder die Katze  zu überlisten, denn die Brocken, die sie ihr hinhielt, waren sehr lecker.
 
Sobald Stefanie  die Katze ergriffen hatte, ihr die Ohren langgezogen hatte, ließ sie Holzkatze  hart auf den Boden fallen. Die Leckerlis, die die Katze nicht erhielt, tat Stefanie   mit hämischem Lachen in  die Futterdose zurück, die ihren Platz  hoch oben auf dem  Küchenschrank hatte.

Gundel, Stefanies Mutter,  war auch nicht besser.  Sie lobte sich oft,  was sie für ein gutherziger Mensch sei.  Den Nachbarn  im Hause gegenüber spielte  sie die Brave.
 
„Ja, Guten Tag Frau Sowieso, guten Abend Herr Sowieso, vielen Dank, dass Sie mein Paket angenommen haben, Frau Sowieso, und wünsche Ihnen gleichfalls einen guten Abend, Herr Sowieso“ und so weiter.
 
Jeden Sonntag besuchte Gundel den Gottesdienst.  Emsig lief sie  auf ihrem Flur hin und her, schaute in den großen Spiegel, der über der Kommode angebracht war und rückte sich ihren Mantel und ihren Hut zurecht, dabei summte sie eine Hymne, um sich auf die Andacht einzustimmen.
 
Kehrte sie Mittags aus der Kirche zurück, hatte  Stefanie das Essen bereits dampfend auf den  Tisch gestellt.  Beim  Essen schwatzte Gundel   wie es im Gottesdienst war, wie lang die Predigt gedauert hatte, welcher Pastor gepredigt hatte, ob Frau Niemski wieder so ein erbärmliches Parfum aufgetan hatte, ob Herr Schmidt, der die Gesangsbücher verteilte, wieder so schmierige Haare und ungeputzte Schuhe hatte   und ob der Organist sich wieder  auf der Orgel verspielt hatte.
 
Dieses Getue fand Holzkatze widerlich.

Bei dem Gedanken an Gundel spürte Holzkatze jetzt immer noch die gemeinen Tritte.
 
Hatte Gundel schlechte Laune - und das war fast täglich - bekam Holzkatze Gundels Füße in ihre Rippen, nur wenn sie ihr in der Wohnung über den Weg lief. „Hau ab, du Vieh! Willst du, dass ich über dich stolpere und mir deinetwegen meine Füße breche?“ keifte sie dann.

Holzkatze fragte sich,  warum sie so schlecht behandelt wurde. Als sie ganz klein war -    gab es für sie außer gutem Futter auch zärtliche Streicheleinheiten.

Stolz wurde sie im ganzen Haus herumgezeigt. Und es gab noch jemand in der Wohnung, Gundels Mann, an den konnte sie sich auch erinnern,und  auch an den Tag, als er die Familie eines Tages verließ.
 
Plötzlich hieß es nur noch:  „Dumme Katze“, „Blödes Vieh“, „Hau ab, du Biest“.  

Darum gefiel Holzkatze ihr Zuhause nicht mehr. Kurz entschlossen kehrte Holzkatze eines Nachts von einem Rundgang nicht mehr zu Stefanie und Gundel zurück.

Holzkatze saß immer noch in der Kiste und grübelte. „Ach, was soll´ s! Ich bin jetzt fort und wohne halt woanders“. Sie ergriff das runde Stück Holz,  nahm es in ihre Schnauze und hangelte sich wieder aus der Kiste, was ganz schön mühsam war, denn sie wollte mit ihrem Fund vorsichtig umgehen und nirgends damit anstoßen, sich von dem zerborstenen Holz keinen Splitter holen und trabte davon.

Nachdem Holzkatze Gundel und Stefanie verlassen hatte, war sie eine zeitlang durch die Stadt gestreunt, auf der Suche nach einem neuen Heim und freundlichen Worten.
 
Wenn bei ihrer Suche durch die Stadt dabei auf fremde Leute traf, strich sie bettelnd um sie herum, in der Hoffnung, die würden Holzkatze zu sich  nach Hause nehmen.

 Doch  niemand interessierte sich für Holzkatze. Niemand sagte „Oh wie niedlich, eine Katze!“. So vergingen die ersten Tage in der Freiheit.
 
Holzkatze hielt sich gerne auf dem Dach eines älteren, baufälligen Holzschuppens auf. An diesen Schuppen grenzte ein noch baufälligeres, graues, verlassenes Mietshaus, das von unten bis oben und an allen Seiten mit Graffiti bunt bemalt war.






Hier legte Holzkatze immer eine Pause ein, wenn sie im Morgengrauen von ihrer Stadtstreicherei zurückkam. Sie genoss hier oben auf dem  Dach  die ersten Sonnenstrahlen,  die wohltuende Wärme auf ihrem Fell und dann leckte sie sich die Pfoten vom Straßenstaub rein. Und auch die  Graffiti Bilder schaute sie sich  an.

Holzkatzes Lieblingsplatz befand sich in einer Straße, die abseits vom Hafentrubel lag.
 
Gerade hatte sich Holzkatze auf dem Dach bequem gemacht, da begann das Kopfsteinpflaster -   vom nächtlichen Nieselregen noch glänzend -  durch die  Wärme der ersten Sonnenstrahlen zu dampfen.
Und auch das geteerte Pappdach, auf dem Holzkatze saß, dampfte.

Plötzlich hörte Holzkatze ein lautes Motorengeräusch. Der Lärm kroch    in ihre Ohren. Schon im  nächsten Moment bog laut donnernd und mit rasender Geschwindigkeit ein großer Umzugswagen um die Ecke. Laut quietschtend hielt dieses Monstrum   vor Holzkatzes Augen.
 
Ein Umzugswagen!
 
Die Fahrertür öffnete sich. Ein Mann mit dem   Aussehen einer Bulldogge wälzte sich vom Sitz rückwärts auf die Straße.
 
Zwei weitere Gestalten blieben im Fahrerhaus sitzen.
 
Die Bulldogge ließ die Fahrertür offen stehen und ging um den Lastwaren herum.
 
Das gegenüberliegende Gebäude schien das Ziel zu sein.  
 
Dort lugte ein  Kopf aus der Tür. Dem Kopf folgte der Körper,   ein großer Mann, der   leicht gebeugt   der Bulldogge entgegenschlurfte.......