Irgendwann an diesem Tage trat im „Gefährlichen Hai“ dann wirklich wieder Ruhe ein. Holzkatze verkroch sich in ihrem Flügel. Sie rekelte sich auf dem Kissen.
Bader kehrte erst nach einer Weile sichtlich erschöpft und doch erleichtert von der Aufregung, die der Besuch bewirkt hatte, in den Saal zurück.
Er schlurfte durch den Saal an seinen Klavieren, die links und rechts des Saal Spalier standen, direkt zur Bühne. Er stieg die die seitliche Treppe hinauf auf die Bühne. Holzkatze hörte ihr Herzchen pochen.
Bader kratzte sich an der Stirn. Er schien zu überlegen. Dann hob er den Vorhang beiseite und schien etwas zu suchen. Noch nie hatte der Bühnenaufgang und die Bühne ihn interessiert. Doch jetzt war er auf einmal da.
Bader schob die alten Requisiten hin und her, drehte das abgewetzte Sofa um, er näherte sich dem Flügel, dessen Deckel geöffnet war. Er ging einmal um den Flügel herum und dann geschah es, er zog eine Taschenlampe aus seiner ledernen Schürze und leuchtete in das Gehäuse hinein.
„Ein Kätzchen“ raunte er. Holzkatze zuckte zusammen. Sie rührte sich nicht. "Ein Kätzchen" vernahm sie von Bader ein zweites Mal und bemerkte, dass er gar nicht stotterte.
Dann machte Bader zum Erstaunen Holzkatzes kehrt. Er stieg die Bühnentreppe hinab, schlurfte durch den Saal an seinen Klavieren vorbei. Dann hörte Holzkatze Bader in der Küche hantieren.
Nach einer Weile kehrte Bader zurück. Sein Gang durch den Saal war langsamer geworden, auch schienen seine Schritte ungleichmäßig gesetzt. Er stieg die Treppe zur Bühne hinauf. Dort stellte er etwas auf dem Boden ab. Holzkatze hörte Bader rufen: „Mimimieze, Mimimietze“ lockte er mit süßer Stimme.
Was hatte Bader vor? Holzkatze verkroch sich tiefer im Flügelgehäuse.
Bader jedoch hegte keine schlechten Absichten. Insgeheim freute er sich über die Katze. Immer wider hatte er im Saal an einigen Stellen kleine Mäuseködel gefunden. Und er hoffte, dass sich dies mit der Anwesenheit der soeben entdeckten Katze dies ändern würde. Bader wußte ja nicht, dass Holzkatze schon ziemlich lange bei ihm wohnte. Woher auch? Denn Holzkatze wohnte bei ihm ja insgeheim.
Und auf Ahlefeld war, was die Mäuse anging, bisher auch kein Verlaß gewesen. Obwohl Ahlefeld bader immer wieder mit treuem Blick versichert hatte: „Ja, ja Chef, hab ich gemacht, alle Fallen aufgestellt“ , traute Bader Ahlefeld dennoch nicht. Nach wie vor fand Bader zwischen seinen Klavieren Mäuseködel und eine gefangene Maus gab es bisher nicht und ebensowenig konnte Bader nirgendwo eine aufgestellte Mausefalle sehen.
Ahlefeld war kein Mann der Tat. Die Mausefallen befanden sich zwar nicht mehr im großen Karton im Vorratsraum, aber das besagte bei Ahlefeld noch lange nichts. Es konnte auch gut sein, dass er sie erst einmal woanders abgestellt hatte und die Mausefallen mit der Zeit zumindest bei ihm im Kopf in Vergessenheit geraten waren, denn das Gebäude hatte viele Räume und Plätze, eigentlich ziemlich unübersichtlich.
Noch eine ganze Weile versuchte Bader, Holzkatze zu locken. Dann verließ er enttäuscht den Saal. Das Schälchen mit der Milchen blieb auf dem Bühnenboden stehen.
Holzkatze entschloss sich im laufe des Abends, ihr Versteck zu verlassen und kroch unter dem Bühnenvorhang hervor. Dann nahm sie vorlieb mit der köstlichen Milch. Während sie genüsslich schleckte, hatte sie nicht bemerkt, dass Bader nicht wirklich den Saal verlassen hatte, sondern nur so getan, er war durch den Saal gesschlurft bis zur breiten Saaltür, dann aber hatte er kehrt gemacht und sich zurückgeschlichen, um der Katze aufzulauern.
Als sie Bader erblickte, huschte sie davon.
An den nächsten Tagen fand Holzkatze wieder Milch vor und nach einer Weile begann sie, Bader zu vertrauen. Nach einer Woche durfte Bader Holzkatze das erste Mal streicheln.
Von nun an bewegte sich Holzkatze frei im „Gefährlichen Hai“.
Bader dachte, nun habe er eine Katze und bald keine Mäuse mehr. Holzkatze wurde geduldet, und musste Peinigungen nicht befürchten. Katzen fangen bekanntlich Mäuse. Dass Holzkatze Mäuse verabscheute, und Bader diesbezüglich mit Sicherheit keine Dienste leisten konnte, ahnte er nicht.
Bader ließ sie einfach in Ruhe, gab ihr ab und zu ein gutes Wort, ein Schälchen Milch und etwas zu knabbern. Holzkatze genoss diese neuen Privilegien, aber sie schwor sich, darauf besonders acht zu geben, wenn der Besitzer des „Gefährlichen Hai“, Bauunternehmer Wittich mit seiner Töle wieder auftauchte, sich ja rechtzeitig zu verstecken.

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